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Thursday, 25.05.2017

100 Jahre MONTZ

Unternehmensgründung durch Julius MONTZ

Als Julius MONTZ am 1. November 1911 die Kupferschmiede Mewis in der Heiligenstrasse 30 in Hilden übernahm und damit den Grundstein für die Julius MONTZ GmbH legte, war der 1845 gegründete Handwerksbetrieb wirtschaftlich in einer denkbar schlechten Situation. Über das erste Jahr des jungen Betriebs ist in der großen handgeschriebenen und sorgfältig in Leder eingebundenen Unternehmenschronik vermerkt: „...die Verdienste reichten kaum aus, um die Miete zu bezahlen.“ So sah MONTZ sich gezwungen, jeden nur möglichen Auftrag anzunehmen. Er reparierte Pumpen, legte Wasserleitungen und übernahm Flickarbeiten. Mit dem ersten Großauftrag durch die Firma Friedrich Krupp in Essen kam für den Unternehmensgründer die Wende. In den darauf folgenden Jahren blühte sein kleiner Betrieb auf und er stellte bald die ersten Gesellen und Lehrlinge ein. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellte indes eine Zäsur in der bislang erfreulichen Entwicklung des kleinen Unternehmens dar. Julius MONTZ, inzwischen 46 Jahre alt, wurde zwei Mal vorrübergehend zur Marine eingezogen. Auch das Verbot der Kupferverarbeitung zu zivilen Zwecken bedrohte die wirtschaftliche Existenz seines Betriebes. Doch mit der Herstellung von Feldküchenkesseln sowie von eisernen Kaffeewasserkochern für die Firma Krupp rettete MONTZ sein Unternehmen durch diese Krise. Nach dem Krieg stellte er die Produktion erneut um – auf die Verarbeitung von Aluminium für Konservenfabriken. Auf diese Weise gelang es ihm, seine Firma im bestehenden Umfang zu erhalten.

Neuanfang nach der großen Inflation

Die Erleichterung darüber, den Krieg ohne größere Einbußen überstanden zu haben, war nicht von langer Dauer. Nach einer Scheinblüte der deutschen Wirtschaft verbreitete die außer Kontrolle geratene Inflation bald Angst und Schrecken. Auch die Firma MONTZ blieb von dieser Entwicklung nicht verschont und blutete finanziell zunehmend aus.

1924 war Julius MONTZ nichts geblieben außer dem Besitz an der Heiligenstrasse 30. Zu dieser Zeit fertigte der Betrieb vor allem Einrichtungen für Obstkraut- und Marmeladenfabriken sowie kupferne Behälter und Apparate für verschiedene Industrien.


Julius Montz - zur Person

Am 28. September 1870 wurde Julius MONTZ als Sohn des Kaufmanns Casimir MONTZ und seiner Frau Sophie geboren. Sein älterer Bruder Otto starb früh an Typhus. Er selbst machte nach der Schule eine Lehre beim Kupferschmiedemeister Timpop in Hagen. Es ist überliefert, dass er versicherte, er habe in den vier Lehrjahren wohl einen Handkarren schieben gelernt, aber noch keinen Quadratmeter Kupferblech verarbeitet. So entschloss er sich, wie es damals üblich war, nach der Gesellenprüfung zunächst einige Jahre auf Wanderschaft zu gehen. „Diese Wanderungen und das Arbeiten in vielen Werkstätten, die nach ihrer Erzeugung sehr verschieden waren, haben dem jungen Kupferschmied nicht nur ausgezeichnete Berufskenntnisse vermittelt, sondern auch die Möglichkeit geboten, Land und Leute gründlich kennenzulernen“, heißt es in der Chronik. Sein Fernweh war geweckt.

Mit 22 Jahren wurde Julius MONTZ zur Kriegsmarine eingezogen und im Verlauf seiner Zeit dort zum Feuermeistermaat befördert. Von den zwei großen Auslandsreisen auf dem Kadettenschiff „Stein“ soll er seinen Lehrlingen nach vollbrachtem Tageswerk noch viele Jahre später vorgeschwärmt haben. Nach einem Abstecher in die USA kam er um 1896 ins sauerländische Städtchen Neheim und wurde dort in einer großen Kupferschmiede eingestellt. Dort lernte er auch seine spätere Frau Hedwig Schur kennen. Doch bevor die beiden 1900 heirateten, verbrachte MONTZ zunächst einige Zeit in Italien, wo er für das Neheimer Unternehmen Holzverkohlungsanlagen montierte. Bei seiner Rückkehr wurde er zum Meister ernannt.

1902 siedelte die junge Familie, die sich bald nach der Hochzeit um die Kinder Walter, Otto und Else erweiterte, nach Gelsenkirchen um. Julius MONTZ hatte dort eine Anstellung bei der Firma Küppersbusch & Söhne erhalten. 1909 gründete er gemeinsam mit Theodor Blaché in Siegen seinen ersten eigenen Betrieb. Doch die Vorstellungen der beiden Unternehmensgründer waren zu unter schiedlich, sodass MONTZ schon zwei Jahre später auf das Angebot von Fritz Mewis einging, dessen wirtschaftlich angeschlagene Kupferschmiede in Hilden zu kaufen. Ursprünglich sollte sein ältester Sohn Walter einmal den Betrieb übernehmen, doch Walter starb bereits mit 21 Jahren. So übertrug er 1925 seinem Sohn Otto die Geschäftsleitung.

Julius MONTZ blieb seinem Unternehmen und der Belegschaft bis zu seinem Tod am 4. Mai 1954 eng verbunden. Der letzte Eintrag in der handgeschriebenen Chronik ist eine Gratulation der Belegschaft zu seinem 80. Geburtstag. In der Todesanzeige schreibt Otto MONTZ über seinen Vater: „Der Geist dieses vortrefflichen Mannes, der so wenig für sich selbst forderte und dem eben darum so viel Verehrung und Liebe entgegengebracht wurde, soll meinen Mitarbeitern und mir Vermächtnis und Verpflichtung für die Zukunft sein.“


Spezialisierung unter Otto MONTZ

In dieser wirtschaftlich bedrohlichen Situation rückte die Familie MONTZ noch enger zusammen. Während Tochter Else dem Vater bereits seit Jahren als Buchhalterin und „ordnende Kraft“ zur Seite stand, hatte Sohn Otto zunächst geplant, Lehrer zu werden und Wirtschaftsgeografie und Nationalökonomie studiert. Jetzt entschloss er sich jedoch, ebenfalls ins Unternehmen einzutreten und übernahm ab 1925 die Geschäftsführung. Er war es auch, der Julius MONTZ überzeugte, sich auf die Fertigung von kupfernen Boilern zu spezialisieren.

In einer Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Unternehmens 1961 heißt es dazu: „Er wusste nach seiner Einarbeitung den Vater zu überzeugen, dass eine hohe Leistungsfähigkeit in der neuen Zeit nur durch die Beschränkung des Fabrikationsprogramms zu erreichen war, und dass zur alten handwerklichen Erfahrung wissenschaftlich-theoretische Forschungen treten mussten. Aus diesem Grund wurde der Mitarbeiterstab durch Fachleute, die eine entsprechende Ingenieurausbildung auswiesen, ergänzt.“ Die Spezialisierung war eine weitsichtige Entscheidung, mit der er seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war. Zunächst stiegen die Umsätze kontinuierlich, der damalige Verkaufsschlager waren kupferne Boiler, die auch schon nach Holland und Finnland exportiert wurden. Doch die schlechte wirtschaftliche Situation in den letzten Jahren der Weimarer Republik und in den ersten Jahren unter der nationalsozialistischen Diktatur führte auch bei der Firma MONTZ zu einem erneuten Einbruch.

Das Produktionsverbot für kupferne Boiler im Jahr 1935 traf die Firma MONTZ besonders hart, da ihre Fertigung etwa 80 Prozent der damaligen Gesamtproduktion ausmachte. Für Geschäftsleitung und Belegschaft bedeutete dies, dass sie sich erneut von heute auf morgen auf einen völlig neuen Markt einstellen mussten. So produzierten sie nun eiserne Wasserkästen für D-Zug-Wagen, Rohrsysteme und Autoklaven aus Eisen sowie Behälter, Kondensatoren und Rohrleitungssysteme für die chemische Industrie.


Expansion während des 2. Weltkriegs

Anfang der 40er-Jahre mietete MONTZ eine zweite Werkstatt für die Aluminiumverarbeitung in der Walder Strasse 14a an und kaufte ein Grundstück in der Hofstrasse. Der Umzug des Firmengeländes dorthin verzögerte sich jedoch durch den Ausbruch des Krieges. 1939 trat der Ingenieur Werner Cramer als Betriebsleiter in das stark wachsende Unternehmen ein, um Otto MONTZ zu unterstützen. Am 30. November 1941 heiratete er dessen Schwester Else und erhielt Prokura.

Im Jahr 1941 wurde um die offene Krananlage eine geschlossene Halle gebaut, um zusätzlichen Platz für die Produktion zu schaffen. Zwei Jahre später erwarb das Unternehmen von der Firma Henkel & Cie. ein weiteres Grundstück an der Hofstrasse. Neubau und Umzug des Betriebs ließen jedoch weiterhin auf sich warten.

1944 entstanden zunächst zwei Behelfshäuser mit je zwei Wohnungen auf diesem Grundstück. Am 1. Januar desselben Jahres wurde die Einzelfirma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Bereits am 16. April 1945 war für die Hildener der Krieg zu Ende. Kampflos marschierten die Amerikaner in die unzerstörte Stadt ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma MONTZ zirka 78 Mitarbeiter.

In der gesamten Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen blieb der Betrieb glücklicherweise von Bombardierungen und anderen Kriegsschäden verschont. „Wir haben so lange gearbeitet, bis es nicht mehr ging. Noch im Februar 1945 hatten wir einen Warenausgang von über RM 70.000“, hielt der Chronist damals in feinsäuberlicher Handschrift fest.

Bereits am 15. Mai desselben Jahres konnte das Unternehmen mit einer stark verkleinerten Belegschaft von zwölf Mitarbeitern die Produktion wieder aufnehmen. In den Jahren nach dem Krieg konzentrierte sich die Produktion auf Anlagen für Hefefabriken und die Marmeladenindustrie. Die in der Hofstrasse ebenfalls ansässigen Färbereibetriebe wurden mit riesigen Behältern beliefert.

Ein weiteres Standbein war natürlich die Reparatur und Instandsetzung von bestehenden Anlagen. Erneut zählte aber auch die chemische Industrie zu den besten Kunden. In der Produktion fehlte es in dieser Zeit vor allem an Rohstoffen wie Kohle oder Gas sowie an Transportmitteln und Halbzeugen. Erst die Währungsreform und die Einführung der Deutschen Mark am 20. Juni 1948 sorgten für einen Aufschwung, die Produktion stieg in ganz Deutschland innerhalb kurzer Zeit. Das Wirtschaftswunder kündigte sich an.


Umzug auf das neue Firmengelände

Vier Jahre später, im Jahr 1952, begann der schon so lange geplante Neubau an der Hofstrasse. Bereits kurz nach der Fertigstellung wurde wieder eine Erweiterung notwendig, da das Unternehmen kontinuierlich wuchs.

Damals gab es kaum Gebäude, die unmittelbar an das neue Werksgelände angrenzten. Das dichte Grün der Bäume, Hecken und Sträucher in der Umgebung sowie die Villa der Gründerfamilie am Unternehmenseingang vermittelten dem Betrachter eher den Anschein eines Privatbesitzes als das eines Fabrikbetriebes.

Die beiden bisherigen Standorte an der Heiligenstrasse und der Walderstrasse wurden zugunsten des neuen Firmengeländes aufgegeben. Der Unternehmensgründer Julius MONTZ starb kurz nach dem Umzug am 4. Mai 1954 im Alter von 83 Jahren.


Verstärkte Zusammenarbeit mit der chemischen Industrie

Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit der chemischen Industrie forcierte Otto MONTZ im Laufe der 50er-Jahre eine starke Spezialisierung auf die Destillationstechnik. Gleichzeitig suchte er verstärkt den fachlichen Diskurs und setzte sich beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) für die Belange der Branche ein.

Bereits bei der Gründungssitzung der Fachabteilung 6 am 19. September 1949 war er dabei und ließ sich in den Vorstand wählen. 1964 wurde er Vorsitzender der Fachgemeinschaft Apparatebau sowie Mitglied des Hauptvorstands des VDMA.

Ein Jahr später avancierte er zum ersten Präsidenten der Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), im Jahr darauf zum Ehrensenator der TH München. Darüber hinaus war Otto MONTZ Mitglied und einige Jahre auch Vorsitzender des Hildener Industrievereins.


Neue Länder – neue Inhaber

Bereits Anfang der 1960er-Jahre hielt die Firma MONTZ zahlreiche Patente, unter anderen über den THORMANN®-Boden, den STREUBER-Boden (Tunnelboden), die Kloß-Federkolonne und die Neo-Kloß- Gewebepackungskolonne. Der THORMANN®- und der Tunnelboden sind bis heute Bestandteil des Produktspektrums. Dabei handelt es sich um Böden für Waschprozesse und Vakuum-Destillationen. Der THORMANN®-Boden bewältigt kleinste Flüssigkeitsmengen von 40 Litern pro Quadratmeter pro Stunde bei einem minimalen Druckverlust von wenigen mbar pro Boden.

Die Firma MONTZ war von Beginn an stark international ausgerichtet, daher überrascht es nicht, dass schon Anfang der 1960er-Jahre zahlreiche Anlagen in vielen Ländern der Welt mit MONTZ-Komponenten ausgerüstet waren. Da Otto MONTZ keine Nachkommen hatte, verkaufte er das Unternehmen 1966 schweren Herzens an die Düsseldorfer Schiess AG. „Die Trennung von der Firma Julius MONTZ GmbH [...] hat ihn bedrückt“, heißt es im Nachruf auf Otto MONTZ im März 1978. Noch bis 1970 – fast die gesamte Zeit, die das Unternehmen zur Schiess AG gehörte – stand Otto MONTZ „seinem“ Betrieb als Berater zur Seite.

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